19.04.2016
D-Line: Rudel Wölfe ist gerüstet und heiß

Unterhältst Du Dich mit D-Linern der Spartans, fallen markante Sätze en masse: „D-Line spielen, das musst Du unbedingt wollen.“ – „Wir sind Spartas Speerspitze.“ – „Bei uns gibt’s immer wieder blaue Flecken und permanent in der Saison zwickt es hier oder da. Da muss man durch. Da gibt’s nix zu heulen.“ – „Die D-Line ist die erste Verteidigungslinie. In unserer unit geht es weniger witzig zu, da dominiert der Kampfgeist.“ – „Wir sind eine Art Wolfsrudel, das auf die Jagd geht. Da muss jeder in der Kette stark sein, damit sie hält.“

 

 Das ließe sich noch ziemlich lange fortführen. Aus diesen Zitaten spricht, was Positionstrainer David Gonzalez Nunez vorgibt: „Ich lege viel Wert auf mentale Dominanz. Die Spieler müssen sich ihrer Stärken bewusst sein, müssen mental so stark sein, dass sie ein Spiel drehen können.“ Herausragend zeigte die Spartans-D-Line diese Qualität in den Schlussminuten des Halbfinales zum Aufstieg in die Regionalliga gegen die Erlangen Sharks 2014. Diese hatten nur noch zwei, drei Yards zu überwinden, um das Spiel per Touchdown zu gewinnen. Das mehrfache Anrennen der Sharks ließen die D-Liner der Spartans einfach abprallen.

 

 Coach Gonzalez (45), der selbst aktiv unter anderem Defense End in der 1. Bundesliga gespielt hat, erläutert: „Wir wollen mit unserer D-Line zuallererst die gegnerische Offense Line blockieren, wollen Läufe durch die Mitte verhindern, keine Lücke für solche Attacken lassen.“ Die Spieler, vor allem die Erfahrenen unter ihnen wie die Team-Captains Steffen Ganghof und Christian Vogellehner sowie Jermaine Wolff, trainieren in dieser Richtung in den offiziellen Übungseinheiten und zusätzlich individuell. Vogellehner: „Wir legen viel Wert auf Krafttraining sowie auf mentale Fitness. Da denken wir alle in dieselbe Richtung, deswegen ist der ‚Haufen‘, der seit zwei, drei Jahren zusammenspielt, aufeinander sehr eingeschworen.“

 

 Der 35jährige, der seit sieben Jahren Football spielt und von den Ostalb Highlanders aus Heidenheim zu den Spartans gekommen ist, könnte bei seinen 182 Körpergröße und „nur“ 106 Kilo eher schmächtig genannt werden – jedenfalls gemessen an dem, was da in den gegnerischen Offense Lines spielt. „Der Standardgegner hat 120, 130 Kilo. Im schlimmsten Fall kommen zwei von denen gleichzeitig auf Dich zu.“ Jermaine Wolff (27, 186 groß und 108 Kilo schwer) ergänzt: „Da kommen dann 300 Kilo angerauscht mit vier Händen …“

 

 Gerade für diese Situation sieht sich Steffen Ganghof (23 Jahre alt, 190 groß und 116 Kilo schwer) nach dem Training in der off-season optimaler gerüstet als im letzten Jahr. „Ich habe mein Spiel gegen den Lauf sehr verbessert. Da war ich bislang nicht so drauf fokussiert. Nun kann ich feststellen: Ich bin ein kompletter D-Liner geworden.“ Seine Qualitäten sind weit über die Region hinaus bekannt, insbesondere seine Kicker-Künste, trifft er doch praktisch bei jedem Kick zum Zusatzpunkt durch die Stangen und überrascht auch bei seinen Fieldgoal-Versuchen – deren Weitester war immerhin erfolgreich über 53 Yards. Obwohl sicher anderswo auch heiß begehrt, bleibt er ein Spartaner. Gründe? Das private Umfeld, „die drei wichtigen Freunde, die man hat, leben hier“, die familiäre Atmosphäre im Projekt Sparta – das sind Magnete. Dazu kommt: Ganghof absolviert ein Duales Studium mit dem Ziel Fitness-Ökonom. „Da fühl ich mich im Studio bestens aufgehoben, hab ein standing, der gewachsene Kundenkreis – woanders müsste ich wieder bei Null anfangen.“

 

 In der vergangenen Saison mussten die D-Liner beinahe jeden Snap spielen. Vogellehner: „Da fehlte am Ende der Saison die Schnelligkeit, und mental war auch einiges verloren gegangen.“ Nach der Saison ging es deswegen bewusst praktisch ohne Pause ins Aufbau-Training. „Diesmal haben wir alle den Winter durch viel an uns gearbeitet. Und wir haben neue Leute, die uns Tiefe geben.“ Das bestätigt Coach Gonzalez: „Die Spieler, die schon letztes Jahr dabei waren, haben sich gut weiterentwickelt. Zwei von den Neuen sehe ich zwar noch nicht als Starter, aber als Backups, bei deren Einsatz kein wirklicher Qualitätsverlust zu befürchten ist. Und die anderen Neuen haben auch gutes Potential und wissen durch Einzelgespräche, wo sie stehen. Unser intensives Training in der off-Season hat uns sehr viel gebracht.“

 

 Team-Captain Ganghof bekräftigt seinerseits: „Wenn Du aufsteigen willst, dann musst Du entsprechend tief besetzt sein, so dass ein paar Ausfälle verkraftet werden können.“ Aus seiner Sicht hat die D-Line in der Vorbereitung und speziell auch im Trainings-Camp einen „richtig großen Schritt nach vorn gemacht. Wenn wir es schaffen, unser Potential, unsere Qualität dauerhaft abzurufen, gehören wir in der Liga zum Favoritenkreis.“ Mehr will er nicht prognostizieren, schmunzelt aber vielsagend und verweist auf die Coaches. „Unsere Trainer sind sehr gut, haben alle viel Erfahrung, allein schon, weil sie auch in den oberen Ligen aktiv gespielt haben. Die wissen, wovon sie reden.“

 

 Auch in dieser Unit reden sowohl der Trainer als auch die Spieler mit auffällig großer Begeisterung vom Projekt Sparta. Wie kommt das? Chris Vogellehner, von Berufs wegen als Diplom-Betriebswirt mit hoher Verantwortung betraut: „ Wir verzichten auf Imports. Wir sind ein sehr junges Team, das es immer wieder versteht, neue Spieler schnell zu integrieren. Und etwas Besonderes ist auch unser Headcoach, dessen Arbeit uns weithin bekannt gemacht hat.“ Vogellehner kann mit der Arbeit in anderen Teams vergleichen genauso wie Jermaine Wolff, der bei den Barracudas angefangen hatte, zwei Jahre in Bern gespielt hat, dann bei den Franken Knights (GFL II) und bei den Spartans von Anfang an dabei ist. Der Student (Bau-Ingenieur): „Unser Training ist einfach strukturierter, professioneller. Der HC denkt ganz modern, das ist wichtig im Football 2016. Der klebt nicht an Altem, kommt gern mit neuen Konzepten und hat auf jede Frage eine Antwort.“

 

 In die Kerbe haut auch der D-Line-Trainer Gonzalez: „Der Headcoach organisiert ein professionelles Training, ohne Leerlauf. Wir achten viel mehr auf Athletik im Vergleich zu anderen Mannschaften. Der Zulauf, den wir haben, mit vielen Neuen, zwingt uns, immer auch intensiv die Basics zu lehren, die richtige Technik, Stellungsspiel und so weiter. Damit ist beim Football schon mal 80 Prozent dessen abgedeckt, worauf es ankommt.“

 

 Und dann schlägt Vogellehner einen speziellen Bogen: „Ich bin gerne bei den Spartans, weil das eintritt, was der Trainer mal verkündet hat: Wer sich hier richtig reinhängt, wird allgemein Fortschritte machen – ich stelle fest: Verantwortungsbewusstsein und Zielstrebigkeit sind bei mir gewachsen.“ Und dann loben die drei D-Liner unisono einerseits das familiäre Drumherum als auch den Geist, der zum Beispiel beim Spartacour „60 bis 80 Leute zehn Stunden und länger mitarbeiten lässt, damit die Sache ein Erfolg wird“.

 

 D-Liner Harald Kugler (28 Jahre alt, 194 groß und 120 Kilo schwer), ab der ersten Saison bei den Spartans, aber als Zeitsoldat in den vergangenen Spielzeiten allzu oft auf Lehrgängen und deshalb nicht oft bei den Spielen aktiv, stellt fest: „Das Team hat sich in den drei Jahren super entwickelt. Es kommen immer mehr Leute, man merkt, dass man hier in Neu-Ulm was reißen will.“

 

 Wenn dann demnächst die Saison beginnt, ist die D-Line gerüstet? Coach Gonzalez: „Wenn ich mir so ansehe, glaube ich sagen zu können: Es wird nichts kommen, was uns überraschen würde.“

 

 

 Hintere Reihe, von links: Moritz Glöggler, Coach David Gonzalez Nunez, Christian Vogellehner, Jonas Rau, Sebastian Locher, Steffen Ganghof, Sven Mödl, Roman Wesner

 Vordere Reihe, von links: Harald kugler, Simon Weber, Philipp Romberger, Florian Renz, Elias Giakusiklidys, Jermaine Wolff

 Es fehlen: Marc Rau, Andreas Zeitler, Max Tauscher

 

 

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